Raja Ampat – A Paradise with all its Pros and Cons

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Ich sitze in der auf Pfählen gebauten Hütte, die Restaurant genannt wird, ganz vorne auf dem Fussboden und beobachte das Farbspiel aus allen erdenklichen Blautönen. Mit etwas Glück drehen die Delfine auch heute ihre Runde vor unserem Homestay und sagen Hallo. Tobi und Etienne nutzen die Ebbe und suchen am Strand eine Kokosnuss. Sie spazieren gerade an mir vorbei und lassen in der Hand stolz eine Kokosnuss baumeln. Der wird es jetzt an den Kragen gehen. Kathi baumelt in der Hängematte vor ihrer Hütte und ist in ein offenbar sehr spannendes Buch vertieft. So oder so ähnlich, sehen unsere Nachmittage hier in Raja Ampat aus. Morgens gehen wir meist tauchen und bestaunen fantastische Korallenriffe mit einer unglaublichen Vielfalt an Leben. Riffhaie, Schildkröten, Barracudas, Seepferdchen, Tintenfische und tausende von Fischen gehören zu unserem täglichen Unterhaltungsprogramm. Auch weniger bekannte Tiere wie Wobbegong Haie, Ebolek Haie oder Ghost Pipe Fische sind zwischendurch anzutreffen. Doch, selbst wenn diese Tiere keine Lust haben sich zu zeigen, staune ich auf jedem Tauch- oder Schnorcheltrip erneut über die wunderschönen Korallengärten. Einige Riffe machen den Anschein, als ob sie künstlich in dieser Vielfalt bepflanzt worden wären, mit dem einzigen Ziel, seine Besucher zu beeindrucken. Doch in Wirklichkeit bieten die vielen verschiedenen Korallen den natürlichen Schutz und Lebensraum für die unzähligen Unterwasserbewohner. Etienne und Tobi haben es inzwischen geschafft, die Kokosnuss zu öffnen und versorgen Kathi und mich grosszügig mit frischem Kokoswasser. Der Himmel verfärbt sich langsam und dem Türkis und Marineblau des Wassers werden verschiedene Rosa- und Violetttöne beigemischt. Gemächlich sammeln sich immer mehr Gäste des Corepen Homestays im „Restaurant“ ein. Abendessen gibt es normalerweise so zwischen 19.15 und 19.45 Uhr, aber es wird gerne bereits etwas früher gequatscht, sich über die Entdeckungen der letzten Tauchgänge ausgetauscht oder die wirtschaftliche Entwicklung Raja Ampats diskutiert.

Kri Island

Kri Island

 

 Unterkunft und Transport in Raja Ampat

Die Inselgruppe Raja Ampat gehört zum östlichsten Staat Indonesiens namens West Papua. Sie ist der Insel Papua (aufgeteilt in West Papua und Papua Neuguinea) vorgelagert und kann von Sorong mit grossen und kleinen Booten erreicht werden. Besucher der paradiesischen Inseln haben drei Arten von Übernachtungsmöglichkeiten zur Auswahl: Eco Resorts, Homestays oder Liveaboards. Die eindeutig günstigste Variante und daher auch unsere Wahl sind die Homestays. Ein Homestay in Raja Ampat hat typischerweise Bambus Bungalows für zwei Personen, eine Gemeinschaftstoilette, ein „Mandi“ (ein Wassertrog mit Schöpfkelle, um sich zu waschen) und ein Essensbereich, in dem den Gästen dreimal täglich eine Mahlzeit serviert wird. Die Homestays hier erinnern damit ein bisschen an ein Ferienlager (je nach grösse des Homestays natürlich) und geben nur bedingt Einblick in das Alltagsleben der lokalen Familie. Schön ist, dass die Homestays in Raja Ampat doch grösstenteils von Papuas aufgebaut und geführt werden und so in keiner Weise dem weltweit gleichen Resortstil entsprechen. Allerdings ist deutlich zu spüren, dass der Tourismus hier Fuss gefasst hat und zu vermuten, dass er sich in den nächsten Jahren rasant weiterverbreiten wird. Verschiedene Situationen haben uns zu dieser Überzeugung gebracht. Zum Beispiel haben wir im zweiten Homestay, in dem wir übernachtet haben, widererwartet nicht zwei, sondern rund zehn Bungalows vorgefunden. Im Beschrieb der wirklich hilfreichen Seite stayrajaampat.com , wurde das Homestay mit zwei Bungalows beschrieben. Die Betreiber von StayRajaAmpat besuchen die verschiedenen Homestays etwa ein Mal pro Jahr und aktualisieren dann jeweils die Informationen zu den Homestays. Auch Sandy, der Dive Master des am Homestay angegliederten Dive Shops, erzählte uns, dass dieses Jahr deutlich mehr Besucher nach Raja Ampat gekomen seien und es seit Beginn der Saison im November noch keinen tauchfreien Tag für ihn gab. Er erzählte, dass vor einem Jahr noch maximal 10 Liveaboards an einem Spot ankerten, während es heute bis zu 17 sein können. Bleibt zu hoffen, dass Raja Ampat und West Papua schnell eine Lösung für die Abfallentsorgung finden und dieses Unter- und Oberwasserparadies so trotz unaufhaltsamer Ausbreitung des Tourismus und der damit steigenden Abfallmenge weiter erhalten bleibt.

 

Die Entwicklung des Tourismus ist ausserdem auch an den ziemlich hohen Transportkosten in Raja Ampat erkennbar. Die Preise ergeben sich jeweils je nach Distanz und Grösse des Boots/stärke des Motors. So hat uns beispielsweise die Fahrt im kleinen Boot von Waisai bis nach Kri 800 000 Rupia ($55) gekostet. Für die Überfahrt von Waisai zum Homestay sind die Preise meist im Homestay-Beschrieb aufgeführt, was es erleichtert einen angemessenen Preis abzuschätzen. Denn im Vergleich zu den meisten anderen Orten in Indonesien, sind diese Transportpreise einfach exorbitant. Hinzu kommt, dass es auch hier Homestays gibt, die noch einen extra hohen und nicht gerechtfertigten Preis für Bootsfahrten verlangen. Wenn man dann die Distanzen und die ungefähren Kosten dafür nicht kennt, hat man keine Chance den Preis fair zu verhandeln. Gegen Ende unseres Trips hat das Byrie Homestay (auf Byrie) 1.2 Mio Rupia für die Fahrt zum Dugong Homestay auf Batanta verlangt. Wir haben uns zum Glück im letzten Homestay die Karte angeschaut und wussten, wo das Homestay etwa war. Nur so konnten wir abschätzen, dass die Fahrt höchstens eine halbe Stunde dauern konnte und der verlangte Preis absolut überrissen war. Wir konnten den Preis dann auf 700 000 ($49) runter handeln. Das war immer noch zu viel für die 20 Minuten, aber was blieb uns anderes übrig in einem Homestay, das abgeschottet war vom Rest der Welt und ohne jeglichen Empfang?

 

 Paradies ohne Luxus

Im Homestay ist es inzwischen dunkel und ruckzuck gehen auch alle Lampen an. Der Generator spendet bis Mitternacht Strom und erlaubt es den Gästen ihr Abendessen im gedämpftem Licht der drei Glühbirnen zu geniessen. Das Einschalten des Generators ist für mich das Zeichen, um den Computer wegzulegen und die Gelegenheit zu nutzen, alle Geräte mit Strom zu versorgen. Ohnehin wird nun bereits das Abendessen serviert und ich geselle mich zu den Anderen auf einen der zwei langen Holzbänke. Es gibt Reis, Spinat ähnliches Gemüse, frittierte Tempe-Würfel, Fisch und gekochte Eier. Das Essen ist immer sehr gut und auch immer sehr ähnlich. Raja Ampat ist tatsächlich ein Inselparadies. Wer hier aber Luxus erwartet wird enttäuscht. Ist mal einmal in eines der Longboats gestiegen und auf eine der Inseln gefahren gibt es so gut wie keine Möglichkeit mehr Luxusgüter wie kalte Getränke, Milchpulver oder Früchte zu kaufen. Es gibt das, was das Homestay anbietet. Zum Frühstück werden meist frittierte Bananen, Omeletten mit oder ohne Bananen oder Kuchen angeboten. Zweimal wurde gebratener Reis aufgetischt und ein Mal in drei Wochen sogar Toast mit Spiegelei! An all den Gerichten, die uns in Raja Ampat serviert wurden, ist überhaupt nichts auszusetzen. Nur wird das ganze nach einer Weile doch etwas eintönig. Aber hey! wir sind im Paradies. Wen kümmert da schon eintöniges Essen. Widererwarten hatten wir auf den tropischen Inseln, abgesehen von Bananen, kaum Früchte zur Verfügung. Weshalb in den Homestays kaum Früchte aufgetischt wurden, wissen wir nicht so genau. In einem Homestay gab es sogar einen Mangobaum mit reifen Mangos hinter unserer Hütte, aber aufgetischt wurden keine. Kokossnüsse gibt es auch zu genüge und wenn man danach fragt, werden auch eifrig Kokosnüsse von den Palmen geholt und den Gästen angeboten. Möglicherweise sind Mangos und Kokosnüsse etwas so alltägliches, dass sich die Papuas nicht vorstellen können, dass die westlichen Gäste den Biskuitkuchen liebend gerne gegen die frischen Früchte eintauschen würden. Was an der Verpflegung in den Homestays wirklich toll war ist, dass es nebst Reis auch immer Gemüse gab. Dazu meist Fisch oder Ei und manchmal Hühnchen oder Nudeln. Also immer eine vollwertige Mahlzeit.

Kri and Mansour Island

Kri and Mansuar Island

 

 Erlebnisreiche Nächte

Nachdem alle ihren Hunger gestillt haben, wünscht man sich im Homestay schon bald eine gute Nacht. Schliesslich beginnt morgen um 6.00 Uhr wieder das Vogelkonzert und das Lichtspektakel des Sonnenaufgangs. Auch die Nächte sind in jedem Homestay einzigartig. Im ersten Homestay wurden wir Nachts von den im Bungalow umher rennenden Raten unterhalten oder von einem herumkletternden Cuscus erschreckt. Mancheiner mag sich über die Ratten entrüsten. Und ich muss zugeben, die erste Nacht, war mir auch nicht ganz so wohl. Denkt man aber etwas genauer darüber nach, gehören die Ratten  eben genauso zu den paradiesischen Inseln wie die Delphine, Fische, Mantas oder Schmetterlinge. Wir hatten das Glück, dass wir den Cuscus zweimal zu Gesicht bekamen und so dieses uns unbekannte Tier kennenlernen durften. Aufgeregt haben wir versucht das Tier vor die Linse zu bekommen. Die Papuas gesellten sich interessiert zu uns, um zu sehen, was denn so besonders ist. Mit ihrem typischen lauten Lachen und einem schiefen Blick uns gegenüber wandten sie sich aber sogleich wieder ab, als sie feststellten, dass es sich lediglich um den allnächtlichen Hausgast handelt. Im zweiten Homestay wurde unsere nächtliche Ruhe kaum von Tieren gestört. Einzig (ich will mich hier nicht beklagen!) die Wellen, die an das halb im Wasser stehende Bungalow schlugen, waren Nachts erstaunlich laut. Im dritten Homestay hatten wir keine Begegnungen mit grösseren Tieren, dafür hatten wir aber den ein oder anderen Schreckensmoment mit Insekten. Zum Beispiel als wir das Moskitonetz über unserer Matratze zurechtrückten und plötzlich ein Skorpion hervorgekrabbelt kam! Keine Ahnung ob der giftig war oder nicht (er war auch nicht so gross), aber wir entfernten ihn sicherheitshalber vorsichtig. Im vierten Homestay waren es hunderte von Frösche, die ihr wohl lautestes Froschkonzert zum Besten gaben. Das Startsignal war die untergehende Sonne und erlöst von ihrem Gequake wurden wir gegen Mittag. Möglicherweise galt ihr Konzert auch dem Vollmond? Wer weiss. Auf jedenfall spührt man tagtäglich, dass man in mitten der tropischen Natur ist. Sollte sich jemand also an ein paar Ameisen im Bett oder vorbei flitzenden Ratten ausserordentlich stören, raten wir nicht Raja Ampat als Pardiesdestination zu wählen. Denn für diejenigen ist es dann vieles, aber sicher kein Paradies. Ach ja, auch normal ist, abends in ein feuchtes Bett zu steigen. Während tagsüber das meiste trocknet, werden mit einbrechen der Dunkelheit alle Kleider und Stoffe wieder feucht – nichts zu machen.

Cuscus - © Etienne Baume

Cuscus – © Etienne Baume

 

 Tauchen in Raja Ampat

Wir haben eine weitere erholsame Nacht im Corepen Homestay verbracht, rollen von unserer Memory-Foam-Matratze und kragseln aus dem Moskitonetz raus. Kurz gestärkt mit einer frittierten Banane und einem Kaffee mit viel Satz, geht es dann auch schon auf zum Tauchshop nebenan. Die Tauchplätze in Raja Ampat müssen wirklich zu den Besten weltweit gehören. Mit diesem Korallenreichtum und der Artenvielfalt kann es gar nicht anders sein. Allgemein wird jedoch davon abgeraten in Raja Ampat, als Anfänger zu tauchen. Das Gebiet ist bekannt für seine starken Strömungen, die ein Mindestmass an Körperbeherrschung und Taucherfahrung erfordern. Natürlich gibt es Tauchgänge ohne wesentliche Strömung, die für jeden problemlos machbar sind. Auch die Strömungen sind eigentlich kein Problem, wenn man weiss, wie man damit umzugehen hat. Wir sind in Raja Ampat mit zwei verschiedenen Tauchshops getaucht und haben festgestellt, dass man als Taucher nicht wirklich viele Informationen von den lokalen Guides bekommt und auch nicht so stark kontrolliert wird wie man dass von anderen Orten gewohnt ist. Unsere ersten Tauchgänge mit Yenkoranu Diving haben uns daher etwas überrumpelt. Die Boote werden mit den Flaschen, BCDs und Regulator beladen, den Rest des Equipments bringt man selbst mit an Board (kein Problem, wenn man das im Vorhinein wüsste). Einmal im Boot gehts dann los. Haben alle ihre Nature Reserve Entry Tags dabei? Was man braucht die? Gut. Wir kehren um und lassen alle, die nichts davon wussten, ihre Tags holen. Nun geht es los. Wir sind am Tauchspot angelangt. Der Captain hilft einigen ihre Flaschen auf die Bänke zu heben und die BCDs zu montieren. Alle angezogen? Ok. One, two, three – jump. Alle im Wasser? Ok. Go down. In etwa so haben unsere ersten Tauchgänge ausgesehen. Erwartet hätten wir, dass die Guides uns zuvor über die Strömung informiert hätten, uns gesagt hätten in welche Richtung wir Tauchen, zuvor Buddies abgesprochen werden, oder vielleicht sogar mitgeteilt wird, was zu tun ist, falls die Strömung zu stark für jemanden ist. Wir waren zu viert und konnten uns gegenseitig unterstützen. Als uns einmal klar war, dass einem selbst mehr Verantwortung zugeschrieben wird als in anderen Tauchgebieten, war es dann auch kein Problem mehr. Wir kontrollierten unsere Luft während des Tauchgangs, liessen es den Guide wissen, wenn sich der Tank langsam leerte oder leiteten den Safetystop bereits selber ein. Möglicherweise ist es eher die Art der Betreuung während der Tauchgänge, die Raja Ampat eher zu einem Tauchgebiet für fortgeschrittene Taucher macht und weniger die Strömungen an den Tauchspots. Mit gutem Briefing und guter Betreuung könnten auch unerfahrene Taucher die Unterwasserwelt bestaunen. Während unseres Aufenthalts haben wir einige getroffen, die auch mit lediglich 7-15 Tauchgängen Erfahrung mit von der Partie waren – es ist also möglich. Allen die nach Raja Ampat kommen, empfehlen wir jedoch sich die Tauchshops vor Ort erst einmal genau anzuschauen, bevor man entscheidet Tauchen zu gehen – vorallem wenn die eigene Taucherfahrung noch nicht so gross ist. Von den zwei Tauchshops, die wir kennen gelernt haben, war das Corepen Diving (Süd Gam) unser Favorit. Der Dive Master Sandy und die Mitinhaberin Maria sind sehr zuverlässig und professionell und wir können es jedem empfehlen mit den beiden zu Tauchen. Auch das Yenkoranu Diving in Kri war gut. Ich würde es jedoch nur etwas erfahreneren Tauchern empfehlen, dort Tauchen zu gehen. Mit unseren 40 bis 120 Tauchgängen Erfahrung waren wir die absoluten Küken dort. An dieser Stelle darf ich jedoch auch noch darauf aufmerksam machen, dass das Schnorcheln einfach unglaublich ist. Es gibt kaum Lebewesen, die man in Raja Ampat nur in den Tiefen antrifft. Auch beim Schnorcheln haben wir Schildköten, Haie, Tintenfische, Squids, riesige Napoleonfische, winzige Pipefische und natürlich eine unglaubliche Vielfalt an Korallen und Fischen gesehen. Sogar Mantas kann man beim Schnorcheln begegnen! Es ist also absolut kein Muss in Raja Ampat zu Tauchen, auch das Schnorcheln ist unglaublich erlebnisreich und erst noch günstiger.

 

Schon bald sind wir wieder zurück von zwei wunderschönen Tauchgängen und geniessen das aufgetischte Mittagessen. Am Nachmittag, schauen wir uns die Fotos und Filme, die wir beim Tauchen aufgenommen haben an und lernen so auch einige neue Arten kennen. Wir haben unseren Aufenthalt in Raja Ampat sehr genossen und schätzen es, dass wir einen Monat ohne Extrakonsum oder Internet erleben konnten. Wir hoffen, dass Raja Ampat so rustikal und naturnah bleibt und sich der Massentourismus noch lange fern hält. Trotz allem freuen wir uns nun unglaublich auf den Toast, den es morgen in Sorong zum Frühstück gibt.

 

Reiseplanung für Raja Ampat

Alle Informationen zu Raja Ampat haben wir über die Seite stayrajaampat.com gefunden. Die Betreiber der Seite aktualisieren sie regelmässig und bieten daher die Beste anlaufstelle für die Planung einer Reise nach Raja Ampat.

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